Selbstbestimmungsrecht

5. Januar 2011 | |

Das Selbstbestimmungsrecht der deutschsprachigen Bevölkerung ist der Dauerbrenner in der südtiroler Politik, seit die heutige Provinz Bozen 1919 als Kriegsbeute an das Königreich Italien ging. Der Scan (Reclams Universum, 38/1920) zeigt eine Demonstration der Südtiroler in Meran im Mai 1920. Damals war Südtirol noch zu 90% deutschsprachig. Danach setzte eine brutale Italienisierung ein, die unter den beiden faschistischen Diktatoren Mussolini und Hitler ihren Höhepunkt erreichten: Orte bekamen italienische Phantasienamen, Deutsch wurde als Sprache verboten, die unwilligen Südtioler sollten in Osteuropa als Wehrbauern verbracht werden, dafür wurden vor allem Süditaliener in Bozen angesiedelt. Die Situation besserte sich erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Weg zu einer (teil)autonomen Provinz wurde aber erst in den 1960igern – für die einen Terrorkommandos, für die anderen Freiheitskämpfer – herbeigebombt. Aktuell läuft die Diskussion, ob die Südtiroler neben der italienischen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten können.

Die Bildunterschrift lautet (als Zeitdokument unkommentiert):
Große Freiheitsversammlung der Südtiroler in Meran. Am 9. Mai traten in Meran zu Füßen des Andreas-Hoferdenkmals 15 000 Vertreter der Gemeinden des Burggrafenamtes, Passeier, Ulten und Vinschgau zusammen, um der italienischen Regierung zu bekunden, da? Die deutschen Südtiroler unbeugsam auf dem Rechte der Selbstbestimmung bestehen, und solange dieses nicht durchführbar ist, eine deutsche Selbstverwaltung fordern. In den malerischen Volkstrachten strömten die markigen Bauern unter Vorantritt ihrer Musikkapellen aus allen Tälern zusammen und legten feierlich den Schwur ab, die heimatliche Scholle deutsch und frei zu erhalten in der selben Volkstreue, die ihr Nationalheld Hofer bis in den Tod auf den festungswällen von Mantua gewahrt hat. Die Bauern und Städter legten prächtige Lorbeerkränze zu Füßen des ehernen Mannes nieder. In flammender Begeisterung erbrauste die Volkshymne der Südtiroler durch das rebenumkränzte Etschtal: “Zu Mantua in Banden …” Das Andreas-Hoferdenkmal, das nach der Heimkehr der Krieger mit großer Feierlichkeit enthüllt werden sollte, wurde am Karfreitag 1920 in stummer Trauer über das herbe Schicksal der Heimat der Stadtgemeinde Meran übergeben. Voll Ingrimm erlebten die Tiroler die Schändung dieses Nationalheiligtums durch die übermütigen Italiener, die es als eine Pflicht betrachteten, das Denkmal in ihren Nationalfarben zu übermalen.

Das könnte Sie auch interessieren
'Wege zur Kunst" von Sebastian Marseiler
'Gebrauchsanweisung für Südtirol' von Reinhold Messner
Lesenswerte Bücher über Südtirol
Künstler im Windschatten der Sommerfrischler
Donna Leon in den Dolomiten
Kommentare

 

« Eine Seite zurückblättern:

Eine Seite vorblättern: »