Leidiges Dauerthema: Faschistische Relikte

7. Dezember 2011 | |

Siegesdenkmal Bozen

Die faschistischen Relikte in Südtirol bleiben ein politischer Dauerbrenner. Hatte es im Frühjahr noch so ausgesehen, dass endlich eine Lösung mit der Regierung in Rom gefunden wäre, liefern sich Landesregierung und die Stadtverwaltung in Bozen einen administrativen Kleinkrieg. Für einen Aussenstehenden ist es schon kaum verständlich, warum überhaupt noch faschistische Denkmäler in einen demokratischen Staat unkommentiert herumstehen dürfen, diese schlägt jedoch spätestens dann in Fassungslosigkeit um, wenn demokratische Parteien für deren unveränderten Erhalt einsetzen.

EURAC Bozen

Politisch besonders umkämpft sind das Siegesmal und das Relief mit der Duce-Abbildung an der Finanzbehörde in Bozen. Andere Gebäude aus der faschistischen Ära werden gar nicht mehr als solche wahrgenommen, sie sind bereits zivilisiert. Dazu gehört auch das EURAC, das in seiner Schlichtheit eher an Rationalismus oder Bauhaus erinnert. Schwierig wird es mit anderen Relikten, wie dem Alpini-Denkmal in Meran, dem Kapuziner-Wastl in Bruneck oder den Gebeinhäusern in Burgeis und Innichen.

Das könnte Sie auch interessieren
Der Ursprung des Ortsnamens Lana
Bericht aus dem Jahr 1902 zur Einweihung von Denkmälern für den Tiroler Freiheitskampf 1809
Mc Donalds in Bozen
Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Bozen
St. Martin in Kampill: Das kleine Kirchlein an der Brennerautobahn
Kommentare

Nicht sichtbare, sondern hörbare Faschistische Relikte hängen in den meisten Südtiroler Kirchtürmen.
Die Italienische Regierung bot als Ersatz für die von der K & K Militärregierung eingezogenen Glocken Naturalien, Geld oder sog. “Staatsglocken” an. Natürlich im gleichen Gewicht wie die abgenommenen Stücke.

Auf den Glocken wurde folgendes eingegossen:

“Asportata dagli Austriaci il giorno (Datum), rifusa col bottino della vittoria(Datum)” = Entfernt von den Österreichern am (Datum), wiedergegossen aus der Siegesbeute am (Datum).

Später fügte man auch folgenden Spruch hinzu: “Me fregit furor hostis at hostis ab aere revxi Italiam clara voce Deumque canens = Das Wüten meines Feindes ließ mich erstarren, aber ich erstand aus dem erz des Feindes wieder auf, damit ich mit klarer Stimme Gott und Italien besinge”

Noch heute werden diese Glocken von den Einheimischen manchmal abschätzig als “Walsche Gloggn” bezeichnet, doch machen gerade diese Glocken die Glockenlandschaft Südtirols so einzigartig und spannend!

— Michael Venier · 24. April 2014, 20:58 · #

 

« Eine Seite zurückblättern:

Eine Seite vorblättern: »